Welche Technik / Ausrüstung brauche ich für die Insektenfotografie?
Welche Technik / Ausrüstung brauche ich für die Insektenfotografie? Viel zu häufig wird über die erforderliche Ausrüstung / Technik diskutiert, welche angeblich notwendig ist, um diese oder jene Fotos zu erstellen. Ich bin da eher entspannt und halte diese Technik-Diskussion für völlig überhöht. Grundsätzlich muss man natürlich sagen, dass es gewisse technische Zusammenhänge auch in der Fotografie gibt.
Technik für die Insektenfotografie
Lichtstarke Objektive in Kombination mit einem Vollformat Sensor eignen sich eben besser, um die Fotomotive in der Insektenfotografie vor unscharfen Hintergrund freizustellen. Mit einer Kompaktkamera und kleinem Sensor inkl. Objektiv mit Anfangsblende f/5,6 wird es schwierig, solch ein Vorhaben umzusetzen.
Auch die Insektenfotografie, welche ja der Makrofotografie zuzuordnen ist, gehört in einen Bereich, in dem mitunter technische Hilfsmittel erforderlich sind, um einen optimalen Bildeindruck zu vermitteln. Welche das im Einzelnen sein können, möchte ich nun vorstellen.
Welche Technik / Ausrüstung brauche ich für die Insektenfotografie?
Tiere in der Natur aufzuspüren, ist für Fotografen auch eine Art Jagderlebnis. Nur ist es eine Jagd mit den Augen und der Kamera. So verschiedenartig die Wege sind, welche einen die Natur und Tierwelt nahebringen, so unterschiedlich ist die Motivation dafür. Aber immer führt der Weg über das „Sehen“ und Erkennen zum Motiv. Beides ist mitunter ein langwieriger Lernprozess. Und über Geduld und Ausdauer sollte man in jedem Fall verfügen. Gerade als Einsteiger heißt es, sich an den fotografischen Erfolg langsam heranzuarbeiten.

Sehenswerte Aufnahmen von Insekten sind keine „Selbstgänger“, und nicht jedes Auslösen der Kamera endet in einem fotografischen Volltreffer. Aktuelle Kameratechniken erhöhen jedoch unter anderem mit 4K beziehungsweise 6K und immer schnelleren Serienfunktionen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Treffer dabei ist. Eine Garantie gibt es allerdings nicht. Geht es darum, Insekten wirkungsvoll ins Bild zu setzen, dann führt kein Weg daran vorbei, in die Makrofotografie einzusteigen. Meine Artikelserie Makrofotografie findet ihr hier.
Fotoequipment
Kamera & Zubehör
Auch wenn z.B. Superzoomkameras häufig einen gewissen Makrobereich abdecken, so reicht dieser in den meisten Fällen nicht aus, um Insekten ansprechend ablichten zu können. Eine Kamera für Wechseloptik, z.b eine Spiegelreflexkamera sollte zur Grundausstattung gehören.

Die Vergrößerungen der Motive erzielt man mit Makro- oder Spezialobjektiven, die zusätzlich mit Zwischenringen oder einem Balgengerät bestückt werden können. Damit lassen sich dann Bilder erstellen, die auch in A3 scharfe und erstaunliche Feinheiten offenbaren!

Makroobjektive sind in der Regel bis zum Abbildungsmaßstab 1:1 berechnet. Spezialobjektive erlauben 20-fache Vergrößerungen. Der normale Einstellbereich der Objektive reicht nicht aus, um kleine Objekte, etwa Blüten und Käfer, formatfüllend zu fotografieren. Mit Naheinstellhilfen als Zubehör ist jedoch eine formatfüllende Abbildung möglich.

Set Nahlinse
Die einfachste Möglichkeit ist eine Vorsatz- oder Nahlinse, die die Objektivbrennweite verkürzt. Sie erfordert zwar keine Belichtungsverlängerung, geht aber zu Lasten der gleichmäßigen Schärfe, falls man nicht mindestens auf Blende 8 abblendet. Zwischenringe, die bei kompakten System- und Spiegelreflexkameras zwischen das Kameragehäuse und das normale Objektiv geschraubt werden, machen aus diesem fast ein Makroobjektiv, wobei allerdings reichlicher belichtet werden muss.

Die tubusförmigen Zwischenringe bringen eine starre Auszugsverlängerung mit sich, ermöglichen aber Abbildungsmaßstäbe 1:1. Balgengeräte wirken wie Zwischenringe, sie erhalten jedoch die optische Leistung des Objektivs und lassen sich stufenlos einstellen. Sie erschließen den Bereich der sogenannten Lupenfotografie, das heißt, das Objekt kann in übernatürlicher Größe abgebildet werden.

Novoflex Balgengerät
Umkehrringe ermöglichen es, das Objektiv mit der Vorderlinse zur Kamera gewandt anzubringen (Retrostellung), dadurch kann man nicht nur näher an das Objekt herangehen, sondern gewinnt auch Schärfe im Makrobereich. Welche Naheinstellhilfen zu welchen Kameras erhältlich sind, darüber sollte man sich in den jeweiligen Bedienungsanleitungen, Prospekten und auch direkt beim Fachhändler informieren.

Makroobjektive
Makroobjektive sind spezielle Objektive, die für den Nahbereich besonders korrigiert sind. Sie erlauben ohne Naheinstellhilfen dank ihrer extrem langen Einstellschnecken eine stufenlose Naheinstellung bis in den Makrobereich (Abbildungsmaßstäbe 1:2 oder 1:1) hinein. Sie sind als Normal- oder Teleobjektiv, für Brennweiten von 40 bis 200 mm. Selten finden wir auch Makro-Zoomobjektive, diese verfügen aber über eine etwas geringere Lichtstärke.
Ein Tele-Makroobjektiv empfiehlt sich, wenn zwischen Kamera und dem zu fotografierenden Objekt Beleuchtungseinrichtungen, wie Blitzgeräte oder Aufheller, angebracht werden müssen. Für die Insektenfotografie sind Telemakros ebenfalls unerlässlich, da diese scheuen Tiere eine große Fluchtdistanz haben. Somit können wir mit den Teleobjektiven einen großen Abstand einhalten.

Günstiges Nikon Makro Z 50 mm F/2,8.
Diese Telemakros ermöglichen einen Abstand zum Motiv von ca. 35 cm und mehr. Damit eignen sie sich wesentlich besser für die Insekten-/Tier-Fotografie, als die 40 / 60 mm Makro-Kategorie. Auch für diese Objektive gibt es einen „Zweitnutzen“: Man kann sie durchaus für die Porträt-Fotografie nutzen und gute Resultate damit erzielen.

Die Lichtstärke liegt hier in der Regel auch bei 1:2,8. Ein Bildstabilisator ist eigentlich Standard. Eine Empfehlung ist hier sicherlich das Sigma 105 mm F/2,8 EX Makro DG OS HSM. Dieses Objektiv habe ich selber als Nachfolger zum Tamron 90 mm F/2,8 einige Jahre benutzt. Hier findet ihr meinen Erfahrungsbericht zum Sigma 105 mm.

Nikon Z MC 105 mm F/2,8 S
Schließlich gibt es noch die extremen Tele-Makroobjektive mit einer Brennweite von 150 – 200 mm. Die Lichtstärke beträgt F/2,8 oder F/3,5. Das bedeutet, dass diese Objektive eigentlich nur noch vom Stativ benutzt werden können. Selbst mit Bildstabilisator ist eine ruhige, verwacklungsfreie Haltung bei Objektivgewichten von 1,5 – 2,0 kg aus der Hand kaum noch möglich. Durch die lange Brennweite ergibt sich natürlich auch noch ein extrem geringer Schärfentiefebereich.

Sigma 180 mm F/2,8
Hier ist also extrem genaues Scharfstellen gefordert. Preislich befinden wir uns hier auch schon in Bereichen weit jenseits der 1000 €. Also die Spezialisten unter den Makros. Auf meinem Wunschzettel findet ihr das Sigma 180 mm F/2,8 EX Makro DG OS HSM.

Makroobjektive erfüllen natürlich auch die Aufgaben herkömmlicher Objektive entsprechender Brennweiten im Normal- und Fernbereich. Während die Belichtungsverlängerung bei Naheinstellhilfen (außer Vorsatzlinsen) und Makroobjektiven im Zeitalter der TTL-Belichtungsmessung (durch das Objektiv) kein Thema mehr ist, muss man besonders auf die im Nahbereich schrumpfende Schärfentiefe achten. Sie beträgt oft nur noch Millimeter, wenn nicht sogar nur Bruchteile davon. Das erfordert notwendigerweise eine stärkere Abblendung. Damit verlieren wir natürlich Licht, und die Belichtungszeit kann sich zum Teil erheblich verlängern.
Blitz
Hier kommt ein Blitz mit extrem kurzen Aufleuchtzeiten von 1/1000 Sekunde und kürzer zu Hilfe. Ein Ringblitz, dessen Leuchte rund um das Objektiv angeordnet ist, ermöglicht es, das Nahmotiv schattenlos zu belichten. Aber auch mit Blitzleuchten kann man schattenlos beleuchten. Beim Blitzen ist darauf zu achten, dass man genügend Abstand zum Motiv hat, damit es nicht abgeschattet wird. Bei „kurzen“ Brennweiten unter 60 mm tritt diese Problematik häufiger auf.

Sigma Ringblitz
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Fazit / Empfehlung
Zum Fotografieren braucht es nicht wirklich viel! Kamera, Objektiv und Speicherkarte reichen zum Starten aus. Wird das Betätigungsfeld spezieller oder hat man seine Leidenschaft für die Insektenfotografie entdeckt, stößt man mit diesem Equipment schnell an seine Grenzen!

Es führt kein Weg an Neuanschaffungen vorbei, möchte man sehenswerte Bilder erstellen. Allerdings gilt auch in der Insektenfotografie, man kann bescheiden mit einer Nahlinse anfangen. Hat man dann Gefallen an der Sache gefunden, ist der nächste Schritt vielleicht ein Makroobjektiv. Bei Ebay lässt sich für den Anfang mit etwas Glück das Passende zum Einstieg finden. So sollte man seine Ausrüstung bei Bedarf flexibel an seine Vorlieben anpassen.
Weiter Technik Erfahrungsberichte findet ihr hier.

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